Wertpapierdienstleistungsunternehmen

Wertpapierdienstleistungsunternehmen (WPDLU) gemäß § 4 WAG

Status

natürliche oder juristische Person

Tätigkeit

Wertpapierdienstleistungen gemäß § 4 Abs. 1 i.V.m. § 3 Abs. 2 Z 1 und 3 WAG bezüglich Finanzinstrumente gemäß § 1 Z 6 WAG (Unternehmensbeteiligungen („geschlossene Fonds“) sind keine Finanzinstrumente):

  • Anlageberatung in Bezug auf Finanzinstrumente
  • Annahme und Übermittlung von Aufträgen, sofern diese Tätigkeiten Finanzinstrumente zum Gegenstand haben

Unternehmensbeteiligungen („geschlossene Fonds“) sind keine Finanzinstrumente!

Voraussetzungen

kleine Konzession (durch FMA)

  • Sitz und Hauptverwaltung müssen in Österreich liegen
  • Geschäftsleiter haben fachlich geeignet zu sein und die für die Erbringung von Wertpapierdienstleistungen erforderli-chen Eigenschaften und Erfahrungen mitzubringen
  • 50.000 € Anfangskapital oder Berufs-/Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung („eigenkapitalersetzende Haft-pflichtversicherung“)

Kommentar

Tätigkeitsumfang

Die WPDLU dürfen ihre Dienstleistungen nur im Inland erbringen.

WPDLU, die keinen Gewerbeschein als gewerblichen Vermö-gensberater haben, dürfen keine geschlossenen Fonds vermitteln.

WPDLU sind nicht berechtigt, Dienstleistungen zu erbringen, die das Halten von Geld, Wertpapieren oder sonstigen Instrumenten von Kunden umfassen, so dass das Unternehmen diesbezüglich zu keiner Zeit Schuldner seiner Kunden werden kann (§ 3 Abs. 5 Z 4 WAG entsprechend).

Konzession

Bei Heranziehung von Wertpapiervermittlern zur Erbringung seiner Wertpapierdienstleistungen, hat das WPDLU einen eigenen Antrag im Konzessionsverfahren zu stellen. Darüber ist im Kon-zessionsbescheid gesondert zu entscheiden.

Personen, die für das WPDLU tätig sein können/dürfen

Bei der Erbringung von Wertpapierdienstleistungen kann sich das WPDLU Wertpapiervermittlern bedienen, jedoch keiner vertraglich gebundenen Vermittler.

Tätigwerden für Dritte

Ein WPDLU kann als vertraglich gebundener Vermittler exklusiv für eine Wertpapierfirma (WPF), ein Kreditinstitut oder ein Versi-cherungsunternehmen tätig sein. In diesem Fall darf sich das WPDLU nur eigener Mitarbeiter und keiner Wertpapiervermittler bedienen. Es ist sicherzustellen, dass das WPDLU in diesem Fall nicht auf der Grundlage seiner eigenen Konzession, sondern aus-schließlich auf der Grundlage der Konzession der WPF tätig wird.

Umsatzgrenze

Seit 01.01.2014 darf der Umsatz hinsichtlich der vom WPDLU erbrachten Wertpapierdienstleitungen max. 2 Mio. € pro Jahr be-tragen.

Anlegerschutz

Das WPDLU muss – im Gegensatz zur WPF – keiner Anleger-Entschädigungseinrichtung angehören.

Versicherungsschutz

Es besteht keine Pflicht zum Nachweis einer Berufs-/Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung, wenn das WPDLU ein Anfangskapital von 50.000,- € nachweist. Kann dieses An-fangsvermögen nicht nachgewiesen werden, muss eine Berufs-/Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung mit einer Mindest-haftpflichtsumme von 1 Mio. € pro Schadenfall und 1,5 Mio. € für alle Schadensfälle pro Kalenderjahr sowie 3 Jahren Nachhaftung abgeschlossen werden.

Die Tätigkeit des WPDLU entsprechend seiner Konzession kann gegen Vermögensschäden versichert werden, was grundsätzlich immer zu empfehlen ist.