Wertpapiervermittler (WPV)

Wertpapiervermittler gemäß § 94 Z 77 i.V.m. §§ 136b ff. GewO und § 2 Abs. 1 Z 15 WAG

Status

Natürliche Person

Tätigkeit

Dienstleistungen gemäß § 3 Abs. 2 Z 1 und 3 WAG bezüglich Fi-nanzinstrumente gemäß § 1 Z 6 lit. a und c WAG:

  • Anlageberatung in Bezug auf Finanzinstrumente
  • Annahme und Übermittlung von Aufträgen, sofern diese Tätigkeiten Finanzinstrumente zum Gegenstand haben

Diese Finanzinstrumente sind:

  • übertragbare Wertpapiere gemäß § 1 Z 4 WAG (§ 1 Z 6 lit. a WAG)
  • Anteile an in- oder ausländischen Kapitalanlagefonds, in- oder ausländischen Immobilienfonds oder ähnlichen Einrichtungen, die Vermögenswerte mit Risikostreuung zusammenfassen (§ 1 Z 6 lit. c WAG)

Voraussetzungen

Anmeldung zum reglementierten Gewerbe des WPV(§ 94 Z 77 i.V.m. § 136b GewO); hierfür ist erforderlich:

  • Nachweis der Sachkunde durch Ablegen einer Befähi-gungsprüfung oder dem individuellen Nachweis besonderer Kenntnisse
  • Nachweis eines Vertretungsverhältnisses mit einem oder mehrerer Haftungsträger

Eintragung ins bei der FMA geführte Register (durch den Haf-tungsträger vorzunehmen.

Kommentar


Tätigkeitsumfang und erfasste Finanzinstrumente

Der WPV darf nur für max. 3 Wertpapierdienstleistungsunternehmen (WPDLU) oder Wertpapierfirmen (WPF) gleichzeitig tätig sein.
Bei den Finanzinstrumenten  gemäß § 1 Z 6 lit. c WAG sind sog. „geschlossene Fonds“ (z.B. Schiffsfonds) nicht enthalten! Deren Vermittlung ist gewerblichen Vermögensberatern sowie Kreditinstituten und deren vertraglich gebundenen Vermittlern (siehe entsprechende Ausführungen) vorbehalten.
Bei den „übertragbaren Wertpapieren“ (z.B. Aktien, Zertifikate, Schuldverschreibungen, nicht aber Zahlungsmittel) kommt es grundsätzlich nur auf deren Übertragbarkeit an. WPV dürfen daher auch Zertifikate vermitteln, die andere Finanzinstrumente als Derivate enthalten.

Haftung
Der WPV erbringt seine Tätigkeit als Erfüllungsgehilfe (Auftreten im Namen und auf Rechnung des Haftungsträgers). Das heißt: er muss zur Ausübung seiner Tätigkeit eine WPF oder ein WPDLU finden, welches die Rolle des Haftungsträgers übernimmt. Daraus resultiert einerseits eine Offenlegungspflicht des WPV gegenüber dem Kunden, in wessen Namen und Auftrag er handelt und andererseits eine Haftung des Haftungsträgers für das Verschulden des Erfüllungsgehilfen wie für sein eigenes.  Vertragspartner des Anlegers ist damit nicht der WPV als Erfüllungsgehilfe, sondern der Haftungsträger selbst.

Konzession
Der WPV benötigt keine eigene Konzession gemäß § 3 oder 4 WAG. Diese ist von den Unternehmen, für die er tätig ist, zu stellen.
Personen, die als und für WPV tätig sein können/ dürfen
Zur Tätigkeit der Wertpapiervermittlung sind auch natürliche Personen mit der Gewerbeberechtigung zur gewerblichen Vermögensberatung berechtigt. In dieser Funktion sind diese an die Re-gelungen und Beschränkungen des WPV gebunden, da sie wie dieser als Erfüllungsgehilfe auftreten.

Ein WPV darf sich bei seiner Tätigkeit nicht weiterer WPV bedienen.

Weiterbildungsverpflichtung: 40 Stunden in drei Jahren – ein Verstoß hiergegen kann aufgrund der Annahme der Unzuverläs-sigkeit zum Gewerbeentzug führen (§ 136c GewO).

Versicherungsschutz


Übergangsregelungen
für seit 31.08.2011 bestehende Finanzdienstleistungsassistent(FDLA)-Gewerbe: Ausübung des Gewerbes bis zum 01.09.2014 möglich
Übergangsfrist bis zum 01.09.2014 gilt auch für die Zusammenarbeit zwischen Kreditinstituten und Versicherungsunternehmen mit FDLA, die seit 31.08.2011 tätig sind.
Es besteht keine Verpflichtung zum Nachweis einer Berufs-/Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung. Die Tätigkeit der Wertpapiervermittlung kann aber versichert werden. Das ist sinnvoll, weil es die rechtliche Möglichkeit gibt, den WPV bei einem Schaden direkt in Anspruch zu nehmen, nämlich

  • wenn er nicht offenlegt, für welchen Geschäftsherren er arbeitet;
  • wenn er ein ausgeprägtes eigenwirtschaftliches Interesse am Zustandekommen eines Vertrages hat;
  • wenn er das persönliche Vertrauen des Anlegers in besonderem Maße in Anspruch nimmt;
  • wenn das Wertpapierunternehmen einen Schaden erleidet (Regressansprüche).

Gemeinsamkeiten von WPV und vgV

Beide benötigen keine Konzession im Sinne der §§ 3 oder 4 WAG.

Beide sind verpflichtet, deutlich offen zu legen, in wessen Namen und auf wessen Rechnung, sie tätig sind. Der Haftungsträger hat sicherzustellen, dass der WPV bzw. der vgV dieser Verpflichtung auch nachkommt. Zudem hat er die Tätigkeiten des WPV bzw. vgV zu überwachen.

Sowohl WPV als auch vgV sind in ein bei der FMA geführtes Register einzutragen.

Sowohl vgV als auch WPV können Aufträge zur Portfolioverwaltung annehmen und übermitteln. Beim WPV ist diese Annahme/Übermittlung auf die diesem zugänglichen Finanzinstrumente (übertragbare Wertpapiere gemäß § 1 Z 4 WAG, Fondsanteile gemäß § 1 Z 6 lit. c WAG) beschränkt. Die Portfolioverwaltung als solche steht dem WPV und vgV nicht offen.

Die gleichzeitige Ausübung des Gewerbes des WPV und der Tätigkeit eines vgV ist nicht erlaubt.