Wertpapierfirma

Wertpapierfirma (WPF)

Status

juristische Person

Tätigkeit

Wertpapierdienstleistungen gemäß § 3 Abs. 2 Z 1 und 3 WAG bezüglich Finanzinstrumente gemäß § 1 Z 6 WAG (Unterneh-mensbeteiligungen („geschlossene Fonds“) sind keine Finanzinstrumente):

  • Anlageberatung in Bezug auf Finanzinstrumente
  • Annahme und Übermittlung von Aufträgen, sofern diese Tätigkeiten Finanzinstrumente zum Gegenstand haben
  • Portfolioverwaltung durch Verwaltung von Portfolios auf Einzelkundenbasis mit einem Ermessensspielraum im Rahmen einer Vollmacht des Kunden, sofern das Kunden-portfolio ein oder mehrere Finanzinstrumente enthält
  • Betrieb eines multilateralen Handelssystems (MTF)
  • Wertpapier- und Finanzanalysen und sonstigen allgemeinen Empfehlungen zu Geschäften mit Finanzinstrumenten

Voraussetzungen

große Konzession (Erteilung durch FMA):

  • Anfangskapital: je nach Umfang der Konzession
    1. Anlageberatung und Vermittlung: 50.000 €
    2. Portfolioverwaltung: 125.000 €
    3. Betrieb eines multilateralen Handelssystems (MTF): 730.000 € oder
      25% der fixen Gemeinkosten des letzten festgestellten Jahresabschlusses, wobei der jeweils höhere Wert heranzuziehen ist
  • Rechtsform: Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft
  • Sitz und Hauptverwaltung müssen in Österreich liegen
  • mindestens 2 Geschäftsleiter müssen fachlich geeignet sein und haben die für die Erbringung von Wertpapierdienstleis-tungen erforderlichen Eigenschaften und Erfahrungen mit-zubringen
  • Mitglied einer Anleger-Entschädigungseinrichtung

Kommentar

Tätigkeitsumfang
WPF sind berechtigt, ihre Dienstleistungen EU-weit zu erbringen. Die WPF müssen einen Monat vor dem Tätigwerden der FMA einerseits den Mitgliedstaat, in dem Tätigkeit ausgeübt werden soll, sowie, ob beabsichtigt wird, in diesem Mitgliedstaat vertraglich gebundene Vermittler (aus Österreich) heranzuziehen, mitteilen und andererseits einen Geschäftsplan übermitteln, aus dem insbesondere die beabsichtigten Dienstleistungen, auch Nebendienstleistungen, und/ oder Anlagetätigkeiten hervorgehen. Für WPF bestehen – im Gegensatz zu Wertpapierdienstleistungsunternehmen – keine Umsatzgrenzen. WPF sind nicht berechtigt, Dienstleistungen zu erbringen, die das Halten von Geld, Wertpapieren oder sonstigen Instrumenten von Kunden umfassen, so dass das Unternehmen diesbezüglich zu keiner Zeit Schuldner seiner Kunden werden kann (§ 3 Abs. 5 Z 4 WAG). WPF, die keinen Gewerbeschein als gewerblichen Vermögensberater haben, dürfen keine geschlossenen Fonds vermitteln.

Konzession
Um verschiedene Summen des Anfangskapitals nicht aufbringen zu müssen, kann die WPF den Konzessionsantrag auf einzelne Tätigkeiten beschränken.

Personen, die für die WPF tätig sein können/dürfen
WPF können sich zur Erbringung von Wertpapierdienstleistungen vertraglich gebundener Vermittler bedienen.

Versicherungsschutz

Es besteht keine Pflicht zum Nachweis einer Berufs-/Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung (VSH). Der Ab-schluss einer VSH wird jedoch grundsätzlich empfohlen. Kann das Anfangsvermögen in Höhe von 50.000 € betreffend die Anlageberatung und Vermittlung nicht nachgewiesen werden, kann eine VSH mit einer Mindesthaftpflichtsumme von 1 Mio. € pro Schadenfall und 1,5 Mio. € für alle Schadensfälle pro Kalen-derjahr abgeschlossen werden und damit die Konzessionsvoraus-setzung erfüllt werden.